Sehr geehrte Damen und Herren!

T. Frühwald
C. Jagsch
B. Iglseder

Das Delir ist ein häufiges Syndrom bei geriatrischen Patientinnen und Patienten. Dabei kommt es zu einer akuten, fluktuierenden organisch bedingten Beeinträchtigung der Gehirnfunktionen. Es führt dazu, dass die betroffene Person auf Umweltreize unangemessen reagiert, „durcheinander“ wirkt, unfähig ist sich zu orientieren, sie verliert die Fähigkeit mit der üblichen Klarheit und Kohärenz zu denken. Die Vigilanz und das Aufmerksamkeitsniveau sinken. Es ist die häufigste psychische Störung bei älteren Menschen, vor allem bei sehr alten Menschen insbesondere, wenn sie vorbestehend, zum Beispiel im Rahmen einer Demenz kognitiv beeinträchtig sind. Somatische Erkrankungen, oder der Einfluss auch „nur“ therapeutischer Dosen von vielen, insbesondere anticholinerg wirkenden Medikamenten sind fast immer Auslöser dieses Syndroms.

Das Delir per se kann unabhängig von den vorhandenen Erkrankungen für die Betroffenen schwerwiegende Folgen wie zusätzliche Morbidität, erhöhte Mortalität und eine weitere Verschlechterung von Funktionen im Bereich der ATL’s, der Selbsthilfefähigkeit und Kognition haben. Mit diesen Folgen sind höhere Gesundheits- und Pflegekosten verbunden. Dazu kommt die beträchtliche Belastung für die Betroffenen und deren Umfeld. Trotzdem wird das Problem Delir noch viel zu häufig im klinischen Alltag und auch im Betreuungsumfeld des Pflegeheims nicht erkannt, weshalb adäquate, insbesondere kausale multiprofessionelle prophylaktische und therapeutische Interventionen nicht stattfinden.

Im Rahmen der 4. Fachtagung Delir sollen differentialdiagnostische Aspekte des Delirs präsentiert und diskutiert werden. Ein Praxisworkshop ist den ethischen und rechtlichen Fragen gewidmet, ein anderer bringt Grundlagen zum Delir für „Neueinsteiger“. Delir ist ein Kernthema der Geriatrie, weil das höhere Alter ein bedeutender Risikofaktor dafür ist, aber es kann in jedem Alter zum Problem werden, auch in der Pädiatrie. So wird die Tagung mit einem Beitrag zum „Delir im Kindesalter“ beginnen. Bei einigen relevanten Themen gibt es Parallelen zwischen der Pädiatrie und der Geriatrie, Delir ist eines davon.

Wir freuen uns auf eine interessante Tagung mit anregenden Diskussionen und gutem interprofessionellen Erfahrungsaustausch.

OA Prof. Dr. Thomas Frühwald
Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Geriatrie und Gerontologie

Prim. Dr. Christian Jagsch
Abteilung für Alterspsychiatrie und Alterspsychotherapie
Landeskrankenhaus Graz Süd-West, Standort Süd
Präsident der ÖGAPP

Prim. Univ.-Prof. Dr. Bernhard Iglseder
Universitätsklinik für Geriatrie, Christian-Doppler-Klinik, Salzburg

Wissenschaftliche Leitung