Sehr geehrte Damen und Herren!

T. Frühwald
C. Jagsch
B. Iglseder

Das Delir zählt zu den häufigsten Komplikationen bei älteren Patientinnen und Patienten nicht nur im Krankenhaus, sondern auch in den Strukturender geriatrischen Langzeitbetreuung – den Pflegeheimen. Es werden Prävalenzen von bis zu mehr als 60% angegeben. Auch hier ist das Delir die Folge eines typisch geriatrischen multifaktoriellen Ursachengefüges: von auslösenden, gerade bei geriatrischen PatientInnen oft sich atypisch präsentierenden Erkrankungen, wie Infektionen oder kardiovaskuläre Ereignisse, über die Gabe von Medikamenten mit einem delirogenen Potential, biszu psychosozialen und Umgebungsfaktoren.

Die hohe Prävalenz von Delir ist u.a. durch zwei Charakteristika der Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen erklärbar, die als bedeutendste Risikofaktoren für das Zustandekommen des Delirs bei schon geringen auslösenden Noxen gelten: das hohe Alter und kognitive Behinderung – Demenz. Das Delir ist auch bei der Pflegeheimpopulation mit zahlreichen negativen Folgen assoziiert: einer hohen zusätzlichen Morbidität, erhöhterMortalität, aber vor allem einer Verschlechterung des funktionellen Status, sowohl im Bereich der ATL’s, als auch der Kognition.

Trotzdem ist der Erkennungsgrad des Delirs in den Strukturen der geriatrischen Langzeitbetreuung mindestens genauso schlecht, wie im Krankenhaus. Eine bessere, wissensbasierte Sensibilisierung auf dieses Problem stellt den ersten Schritt zu einer wirksamen Delir-Prophylaxe dar.

Das Delir ist die häufigste psychische Störung auch bei sterbenden Patienten. Bis zu 90% der an onkologischen Grunderkrankungen Sterbendenerleben so einen Zustand. Die Delirprävalenz in nicht onkologischen Terminalsituationen ist noch nicht genau erforscht, dürfte aber ähnlich hochsein. Es herrscht Unklarheit, ob die Ursachen des Delirs in der terminalen Lebensphase überwiegend im psychosozialen und spirituellen Distress desSterbeerlebens oder in medizinischen, somatischen Faktoren liegen. Es dürfte sich wie beim Delir in anderen Situationen um ein multifaktorielles Geschehen handeln – dieses gilt es wahrzunehmen, es zu diagnostizieren und danach entsprechend auch zu intervenieren.

Am besten wäre ein prophylaktisches Handeln, um delirante Phasen im Sterben zu reduzieren. Ob dies möglich ist muss offen bleiben. Es könnte sichauch um ein „physiologisches“ Geschehen im Sterbeprozess handeln, welches keiner Intervention bedarf.

Die nun schon dritte Fachtagung Delir hat die oben skizzierten Themen zum Schwerpunkt. Wir hoffen sie in ihrem interdisziplinären Kontext gut präsentieren und diskutieren zu können. Ein höheres Bewusstseinsniveau um dieses, die betroffenen Menschen und deren Umgebung so belastendesProblem kann nachweislich wirksam zu dessen Minimierung beitragen – darum geht es uns auch bei dieser Tagung.

OA Prof. Dr. Thomas Frühwald
Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Geriatrie und Gerontologie

Prim. Dr. Christian Jagsch
Abteilung für Alterspsychiatrie und Alterspsychotherapie
Landeskrankenhaus Graz Süd-West, Standort Süd
Präsident der ÖGAPP

Prim. Univ.-Prof. Dr. Bernhard Iglseder
Universitätsklinik für Geriatrie, Christian-Doppler-Klinik, Salzburg

Wissenschaftliche Leitung